Brockenläufer Jakob Eyermann wandert 100 Kilometer am Stück
„Die ‚SaaleHorizontale‘, das sind 91 Kilometer pures Wandervergnügen“, heißt es auf der Website der Jenaer Stadtforstverwaltung. In neun Etappen solle „Deutschlands schönster Wanderweg 2023“ in Angriff genommen werden, wird hier empfohlen. Man verringere die Zahl der Etappen auf eine, packe noch neun Kilometer oben drauf − und schon hat man ihn, den hässlichen Bruder der „SaaleHorizontale“: die „Horizontale – Rund um Jena 2026“ mit knackigen 2.300 Höhenmetern.
Brockenläufer Jakob Eyermann aus Drübeck war bei der Langstreckenwanderung am vergangenen Wochenende (29./30. Mai) am Start. Um 18.30 Uhr machte sich der 25-jährige Lehramtsstudent am Freitagabend mit zwei Freunden auf den Weg. Start war bei sommerlichen 25 Grad mitten in Jena. Insgesamt rund 1.700 Wanderinnen und Wanderer stellten sich der 100-Kilometer-Herausforderung oder der etwas entspannteren 35-Kilometer-Runde. Nach rund 20 Kilometern − so der ursprüngliche Plan der drei − wollten sie sich an der ersten Verpflegungsstelle trennen und jeder sein eigenes Tempo weitergehen. „Aber es war so schön und lief so gut, dass wir zusammenblieben“, sagt Jakob.
Die drei genossen die Wanderung, die tollen Aussichten auf die Stadt, die Gemeinsamkeit. Die Zahl der verbleibenden Kilometer schrumpfte. Jakob tauschte Nachrichten per Handy mit seinem Großvater in Ilsenburg aus, telefonierte kurz vor Mitternacht mit seiner Mutter. Gegen 1 Uhr fing es an zu regnen. Der 25-Jährige, in kurzer Hose und T-Shirt unterwegs, sorgte sich kurz, dass er frieren werde. Aber nach einer Dreiviertelstunde war es dann wieder trocken und mild.
Oft waren die Wanderer auf schmalen Wegen unterwegs. Manchmal stauten sich die Scharen an engen Stellen. Die Beschilderung, sagt Jakob Eyermann, war nicht ideal. „Aber letztlich haben wir immer unseren Weg gefunden“, sagt er. Über das Handy wurden alle Teilnehmer auf der Strecke verfolgt. So konnte niemand im Wald verloren gehen. Die Liste derjenigen, die vor dem Ziel aufgeben mussten, ist lang.
Bei Kilometer 50 etwa − es war mittlerweile gegen 4.30 Uhr − ging langsam die Sonne auf. Hier verabschiedete sich einer der Freunde. Er schaffte mit seinem schmerzenden, geschwollenen Knöchel noch etwa zehn Kilometer und rief dann eine Freundin an, die ihn gegen 7 Uhr mit dem Auto abholte.
Die beiden anderen marschierten weiter, immer weiter auf der „Horizontale“, waren mittlerweile nicht mehr weit von ihrer Jenaer WG entfernt. „Als es dann hell geworden ist und wir in der vertrauten Umgebung unterwegs waren − das gab neue Kraft“, sagt Jakob. Während Freund Nummer zwei an der dritten Verpflegung bei Kilometer 64 noch weiter ausruhen wollte, ging der Student weiter und setzte sich etwa 20 Kilometer später sogar in Trab.
„Ich war motiviert, mir ging es supergut“, sagt er. Jakob ist Mitglied im Brockenlaufverein Ilsenburg. Er hat mehrfach den Brockenlauf und den Brocken-Marathon beim Harz-Gebirgslauf bewältigt. Laufen gehört für ihn zu den natürlichen Fortbewegungsarten. „Ich habe gemerkt, wie gut das ging“, sagt er. Nur die Füße schmerzten. Aber das merkte er nicht mehr, als beim Laufen bergab plötzlich Musik erklang. „Da stand einfach ein Pianist mit einem Keyboard“, sagt der Drübecker begeistert. „Das war eine schöne Überraschung.“ Und so landete Jakob deutlich früher im Ziel, als er es geplant hatte: Um 12.45 statt um 14.30 Uhr. Sein Freund kam etwa 40 Minuten nach ihm an.
Was war das Härteste? „Ab Kilometer 70 wurde es hart“, sagt Jakob. „Die letzten 30 Kilometer zogen sich ewig hin.“ Und warum macht man es dann? „Ich wollte schon immer mal versuchen, eine so lange Strecke zu laufen“, sagt er.
Hat funktioniert.